• Meine Generation – die sog. „Baby Boomer“ – geht in spätestens 7 Jahren in Rente. Und immer mehr Menschen werden immer älter.
  • Aufgrund des „Pillenknicks“ gerät die Alterspyramide schon jetzt dramatisch ins Wanken.
  • Durch den Einsatz von immer mehr Maschinen und Applikationen verlieren immer mehr Menschen ihren Arbeitsplatz. Und damit ihr Einkommen und die Möglichkeit in die Sozialkassen einzuzahlen oder selbst für das Alter vorzusorgen.
  • Die Finanzierung der Rente auf den bisherigen Säulen wird kollabieren – Wir brauchen neue Konzepte

Nach aktuellen Statistiken und Prognosen wird im Jahr 2050 jeder dritte Deutsche älter als 60 Jahre sein. Umgekehrt wird der Anteil der jungen Menschen weiter abnehmen. Heute sind gut ein Fünftel der Deutschen jünger als 20 Jahre, 1950 waren es etwa 30 Prozent. Für 2050 prognostiziert das Statistische Bundesamt einen Anteil von nur noch 16,3 Prozent.

Der Altersaufbau wird sich dann innerhalb von hundert Jahren umgekehrt haben: 2050 wird es mehr als doppelt so viele ältere wie junge Menschen geben, während 1950 noch doppelt so viele Menschen unter 20 Jahre wie über 60 Jahre waren.

Zusätzlich sorgen immer bessere Lebensumstände und eine immer besser werdende Gesundheitsvorsorge und medizinische Möglichkeiten dafür, dass Menschen immer älter werden. So wird die Lebenserwartung für im Jahr 2015 geborenen Mädchen auf ca. 83 Jahre (Jungen ca. 78 Jahre) prognostiziert. Und nach den Prognosen für die dann im Jahr 2050 geborenen Menschen, leben diese um fast 5 Jahre länger als ihre Eltern, oder schon ca. 10 Jahre länger als ihre Großeltern, die in 1990 geboren wurden.

Beide Entwicklungen werden dramatische Auswirkungen auf unsere Gesellschaft, speziell auf den noch gültigen „Generationen-Vertrag“, haben. In dem bis heute festgeschrieben ist, dass die junge, arbeitende Generation die Renten ihrer Eltern und Großeltern finanziert.

Wenn wir uns darauf nicht vorbereiten, wird das bisherige System kollabieren

Jetzt könnten ja alle Beteiligten – Unternehmen, Beschäftigte, Junge, Alte, die Politik, Sie und ich – die Augen vor dieser Entwicklung verschliessen und die „Vogel Strauss-Politik“ verfolgen. Eben den Kopf in den Sand stecken und darauf hoffen, dass es schon irgendwie gut gehen und dass ja noch jede Menge Zeit bis zum Eintreffen dieser Prognose vergehen wird. Dies ist vielleicht auch der Grund, warum die aktuelle Regierung erst einmal die Sicherung des bisherigen Rentenniveaus und das „Einfrieren“ der Rentenbeiträge und des Renteneintrittsalters nur bis zum Jahr 2025 im Fokus hat. Aber mit Nichtstun haben sich Probleme noch nie von selbst erledigt, auch wenn die zu ergreifenden Massnahmen natürlich allen wehtun würden.

Welche Möglichkeiten gibt es, welche Einbußen würden Sie akzeptieren?

Jetzt frage ich einmal Sie: Wer von Ihnen wäre zum Beispiel bereit, drei Jahre länger (bis 70) bis zum offiziellen Eintritt in die Rente zu arbeiten? Wer wäre einverstanden, dass in 15 Jahren das Rentenniveau nicht mehr bei knapp 48% sondern bei vielleicht nur noch 43% des durchschnittlichen Jahresentgelts liegt? Was würden Ihre Kinder (und Sie) davon halten, wenn die Beiträge in die Rentenversicherung in 15 Jahren nicht bei 18%, sondern bei 25% liegen würden, eigentlich müssten? Und war es eine gute Idee, vor kurzer Zeit die Rente mit 63 (bei 45 Versicherungsjahren) einzuführen?

Zahlen zukünftig auch Maschinen und Applikationen in die Rentenkasse ein?

Stand heute haben wir bereits ca. 4,7 Millionen Arbeitssuchende (Bezieher von ALG I und ALG II), denen nur ca. 1,2 Mio. an Offenen Stellen zur Verfügung stehen. Wie wären eigentlich unsere Gesellschaft und unsere Sozialsysteme darauf vorbereitet, wenn die Konjunktur nicht mehr brummen, sondern einbrechen würde? Und damit noch mehr Menschen auf solidarische und/oder staatliche Unterstützung angewiesen wären. Oder welche Antworten könnten wir anbieten, wenn im Rahmen der Digitalisierung die Zahl der unbeschäftigten Menschen dramatisch zunehmen würde? Wenn nämlich die „einfachen“ Routine-Aufgaben immer mehr von Maschinen und Software-Applikationen übernommen und zusätzlich beim Umstieg vom Verbrennungs- auf den Elektromotor immer weniger Menschen zum Herstellen neuer Autos gebraucht werden. Und der Wegfall dieser Arbeitsplätze mit geringer Qualifikation nicht durch die neu entstehenden, im hoch qualifizierten Bereich angesiedelten Aufgaben kompensiert werden kann.

Zeit zum Handeln – Wir brauchen neue Konzepte

Wenn die geschilderten Prognosen und Annahmen auch nur zu einem kleinen Teil zutreffen, dann müssen alle Beteiligten schnellstens handeln. Nicht nur, um den „sozialen Frieden“ langfristig zu sichern und den bereits angehäuften „sozialen Sprengstoff“ nicht noch größer werden zu lassen. Neue, radikale Konzepte werden gebraucht, ein „Weiter so“ können wir uns nicht weiter erlauben. Egal, ob wir ohne Ideologien und Vorurteile das Thema „Grundsicherung für alle“, oder eine „Maschinen-/ Wertschöpfungssteuer“ diskutieren und bewerten. Weil irgendjemand muss ja in die Kasse einzahlen, bevor ein anderer etwas herausnehmen kann. Und wenn die Einzahler immer weniger werden, dann ist die Kasse irgendwann leer. Auch deswegen traue ich dem legendären Spruch „Die Rente ist sicher“ von Norbert Blüm immer weniger. Obwohl es schon beruhigend wäre, wenn zumindest diese Prognose wenigstens im Ansatz noch stimmen würde. Oder was meinen Sie?